| Eine seltene Ausnahme
unter allen Dichtern und Denkern war der Präsident des Breslauer Ratskollegiums
und Kaiserliche Rat Hofmannswaldau (1617 - 1679) . Er besang An Melinde
die Menstruation:
Nicht schäme dich, du saubere Melinde,
Daß deine zarte Reinlichkeit
Der feuchte Mond verweist in eine Binde
Und dir den bunten Einfluß dräut.
Der große Belt hegt Ebb' und Flut,
Was Wunder, wenns der Mensch, der kleine,
tut.
Die Rötlichkeit bei deinen bunten
Sachen
Hat niemals deinen Schoß versehrt.
Wie Muscheln sich durch Purpur teuer machen,
So macht dein Schneckenblut dich wert.
Wer liebt ein Tintenmeer wohl nicht,
Weil man daraus Korallenzinken bricht?
Nur einmal bringt das ganze Jahr uns Nelken,
Dein Blumenbusch bringt's monatlich,
Dein Rosenstrauch mag nicht verwelken,
Sein Dorn, der hält bei dir nicht
Stich,
Denn was die sanften Blätter macht,
Das ist ein Tau von der Johannisnacht.
Kannst du gleich nicht die Lenden hurtig
rühren,
Lobt man dich doch im Stillestehn,
Der Augen Blau wird leichtlich sich verlieren,
Dann wirst du sein noch eins so schön.
Man sammelt, spricht die ganze Welt,
Viel bessre Frucht, wenn starke Blüte
fällt.
Laß mich darum noch keine Fasten
halten.
Ein König nimmt den Schrank zwar
ein,
Doch muß er fort, wenn sich die
Wasser spalten,
Der Geist muß ausgestoßen
sein.
Man geht, wie jedermann bekannt,
Durchs rote Meer in das gelobte Land.
|
 |