| Ein
Mann gesteht seinem Psychiater, dass er sexuell an Pferden interessiert
ist. "An männlichen oder weiblichen Tieren?" fragt ihn der Psychiater.
Der Patient ist entrüstet. "Halten Sie mich für schwul?"
Am interessantesten für Sexualnormierer waren und sind Menschen mit homosexuellen Verhaltensweisen. Es würde zwar genügen, ihnen wie z.B. Vegetariern das Recht auf Einseitigkeit zuzugestehen und das Problem Homosexualität gäbe es nicht mehr. Aber da auch Homosexualität kein sexuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem ist, funktioniert dieser Lösungsvorschlag nicht. |
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| Homosexuelles Verhalten,
das die Natürlichkeit strenger Scheidung zwischen männlich-weiblich
und damit eine Grundlage unserer Sexualmoral, ja unserer Gesellschaftsorganisation
leugnet, gefährdet die Substanz. Allerdings wird die Trennung der
Menschheit in Männer und Frauen, obwohl sie weitgehend gesellschaftlichen
und weniger biologischen Ursprungs sein dürfte, sogar unter Homosexuellen,
die es besser wissen könnten, praktiziert. Solange Jean Genet ein
armer homosexueller Junge war, musste er die Rolle des weiblichen Teils,
der Tunte spielen. Als er älter, berühmt und wohlhabend geworden
war, wurde er der männliche Partner. |
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| Immerhin leben die
meisten Homosexuellen ihre Lust effektiver und ehrlicher und spotten dabei
der jüdisch-christlichen Sexualmoral. Erkennungszeichen (ein kleiner
goldener Ohrring im linken Ohr) und sexuelle Signale (Schlüsselbund
über der linken Gesäßtasche getragen = will aktive Rolle,
rechts = passiv; Farbe des Taschentuchs in der Gesäßtasche:
hellblau = Oralverkehr, dunkelblau = Analverkehr, hellrot = Penetration
mit der Faust) erleichtern und beschleunigen das Finden eines Partners. |
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| Wie dem Juden seinen
Glauben sieht man den meisten Homosexuellen ihre Homosexualität nicht
an, man muss es wissen, um empört sein zu können. Das Ärgernis
entsteht also erst im Kopf des Wertenden. Weibliche Homosexuelle, die keinen
Samen vergeuden, haben Verfolgung und Strafe daher auch nur zu fürchten,
wenn sie die Norm verletzen, d. h. männliche Kleidung tragen. Männlichen
Homosexuellen drohte dagegen die Todesstrafe in Preußen bis 1851,
in England bis 1861, in Schottland bis 1889. |
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| In Deutschland rief
als erster der Jurist Karl Heinrich Ulrichs (1825 - 1895) dazu auf, die
Verfolgung Homosexueller zu beenden. Anm.
Er wurde dafür in einem gerichtsmedizinischen Handbuch für geisteskrank
erklärt. |
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| Während des
Nationalsozialismus, Hirschfelds Institut war schon im Frühjahr 1933
von Studenten gestürmt und für die bevorstehende Bücherverbrennung
geplündert worden, wurden ca. 50 000 den Nazis nicht genehme Homosexuelle
in KZs eingeliefert und viele von ihnen dort gezwungen, mit einer Frau
zu koitieren. Je nach ihrer sexuellen Reaktion wurden sie freigelassen
oder getötet. |
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| Nach dem 2. Weltkrieg
wurden in Deutschland die überlebenden Homosexuellen z. T. von denselben
Richtern, die sie unter den Nazis verurteilt hatten, ins Gefängnis
geschickt. Um so überraschter war die Öffentlichkeit, als sie
aus amerikanischen Untersuchungen erfuhr, dass 37% aller Männer und
13% aller Frauen nach ihrer Pubertät zumindest ein homosexuelles Erlebnis
hatten, das zum Orgasmus führte. Kinsey, selbst bisexuell, hielt jede
Unterteilung in Hetero- und Homosexuellen für falsch: "Alles Leben
ist in jeder Hinsicht ein Kontinuum. Je früher wir das im Hinblick
auf das menschliche Sexualverhalten lernen, um so eher werden wir die Wahrheit
über die Sexualität begreifen." |
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| Trotzdem bemühte
sich die Sexualwissenschaft weiter, das Übel auszumerzen. Nachdem
ein DDR-Wissenschaftler glaubte, die Ursachen der Homosexualität im
Hirn lokalisieren zu können, verkohlten westdeutsche Chirurgen bei
30 Männern durch das Einführen einer elektrischen Sonde diejenigen
Teile des Zwischenhirns, in denen man das verweiblichte Sexualzentrum vermutete. Aber noch 1975 klassifizierte die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung Homosexualität als Geisteskrankheit. |
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| Und erst jüngst
versuchte der schwule Neurologe LeVay den Nachweis, dass bei homosexuellen
Männern eine Neuronengruppe des Hypothalamus, der Nucleus INAH 3,
wesentlich kleiner ist als bei heterosexuellen Männern und etwa gleich
groß wie bei Frauen. Auffällig sei auch, dass eine ganze Gruppe
von Markern, die in der sogenannten Xq-28-Region liegt, bei homosexuellen
Brüdern in mehr als 50% der Fälle identisch ist. |
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| Die Erklärungen
für sexuelle Präferenzen sind in den letzten hundert Jahren sehr
viel komplizierter, vielleicht auch fundierter geworden, nur die Fragestellung
blieb falsch, dumm und gefährlich. Wirklich interessant ist doch nicht,
warum jemand homosexuell ist, sondern warum er es nicht sein darf. Anm.
© 2001 Karl Pawek pawek@web.de |