Und doch unterscheidet
sich die Sexualität der Ägypter und Griechen noch gründlich
von unserer. Die bereits den Griechen bekannte Zweigeschlechtlichkeit des
Embryos bis zur neunten Lebenswoche bestärkte sie in ihrer Auffassung
von der Zweigeschlechtlichkeit des Urmenschen, rechtfertigte ihre Bisexualität.
Keine Sexualtechnik war bei ihnen verpönt, solange sie nur aktiv ausgeführt
wurde. Anm. So empfanden die Griechen
Homosexualität weitgehend als normal - auch bei Vätern. In einigen
griechischen Stadtstaaten galten Homosexuelle als ausgesprochen männlich,
tapfer, heldenhaft, sogar die berühmteste griechische Elitetruppe
soll nur aus männlichen Liebespaaren bestanden haben.  |

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Schöne, junge,
unbehaarte Hintern liebten die Griechen so sehr, dass sie für diesen
Körperteil eine eigene Göttin erfanden: Aphrodite Kallipygos.
Und Eros war ihnen mehr als nur der Gott der Liebe. Er symbolisierte vor
allem die Knabenliebe
, wie sie auch Aeschylos und Sophokles praktizierten.
Stand kein Knabe zur Verfügung, blieb immer noch der Analverkehr mit
Frauen
, wie ihn auch Goethe vorziehen wird: „Knaben liebt ich wohl auch, doch
lieber sind mir die Mädchen, hab ich als Mädchen sie satt, dient
sie als Knabe mir noch.“
Von den Griechen konnte Aristophanes ohne Übertreibung behaupten:
"...arschgefickt ist unser ganzes Volk."  |
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Eine abgrundtiefe
Verachtung schlug freilich jenen entgegen, die passiv homophil waren, denn
die moralischen Codes der Spätantike waren bestimmt durch die Wahrung
des intakten Bildes eines Oberschichten-Mannes, der sehr wohl jemanden
in den Arsch ficken, sich jedoch niemals ficken lassen durfte.
Entsprechend verpönt war es auch, einer Frau durch Scheidenlecken
zum Orgasmus zu verhelfen. Anm.
Masturbation dagegen, "sich mit der Hand das Hochzeitslied singen", galt
den Griechen bis Plato nicht als Laster, sondern als eine Art Sicherheitsventil.
Diogenes masturbierte gar öffentlich mit der Begründung, dass
eine Handlung, die an sich nicht für schlecht gehalten werde, nicht
durch das Licht der Öffentlichkeit schlecht werden könne.
Für Frauen gab es künstliche, aus Leder hergestellte Phallen,
ihre Länge von acht Fingerbreiten galt offenbar als Idealmaß.
Sexuelle Abstinenz lag den Griechen jedenfalls so fern, dass ihre Sprache
nicht einmal ein besonderes Wort für Keuschheit kannte
, allerdings litten auch nicht wenige von ihnen unter Gonorrhoe, dem Tripper.  |
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In dieser mehr homoerotischen
als platonischen Männergesellschaft wucherte der Frauenhass. Hesiod
empfahl im 8. Jh. v. Chr., es sei besser, "die Frau zu kaufen, als sie
zu heiraten. Dann kann man sie, falls notwendig, zur Arbeit mit dem Pflug
schicken."
Homer predigte: "Nichts ist scheußlicher doch, nichts unverschämter
auf Erden als das Weib."
Hippokrates, Arzt von der Insel Kos, forderte: "Die Frau bedarf eines Zuchtmeisters,
denn sie hat von Natur das Zügellose an sich."
Plato drohte allen Männern, die kein rechtschaffenes Leben führen
oder sich von ihren Leidenschaften hinreißen lassen, statt sie mit
ihrem Verstand zu beherrschen, sie würden bei ihrer zweiten Geburt
zur Strafe als Frau auf die Welt kommen.
Und Karkinos erklärte kurz und bündig: "O Zeus, was soll die
Weiber man noch schmäh' n? Genügt doch völlig schon dies
Wort: ein Weib." Anm.
Auch in der Bildenden Kunst wird die neue Geringschätzung der Frau
deutlich. Bis um 500 v. Chr. wurden Mann und Frau beim Geschlechtsverkehr
entweder aufrecht stehend oder liegend sich umarmend, jedenfalls mit einander
zugewandten Gesichtern dargestellt, ab 500 v. Chr. wird die fast nur mehr
von hinten penetrierte Frau zumeist in unterwürfiger Stellung gezeigt.  |
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Der griechische Mann
scheint unfähig gewesen zu sein, eine Frau sexuell zu lieben. Angst
vor der gezähnten Vagina, der kastrierenden Scheide, und der Hass
des Usurpators auf jene, die er einst vergötterte, machten ihm die
Frau widerwärtig. Nur die gekaufte, also von ihm besessene, verdinglichte
Frau bereitete ihm Vergnügen. Nirgendwo in Griechenland war Prostitution
verboten und der Verkehr mit einer Prostituierten schien nach Aristippos
genauso wenig unanständig wie das Bewohnen eines Hauses, in dem schon
viele Menschen gewohnt haben. Die Hetären, edle, oft auch gebildete
Mietfrauen, genossen hohes Ansehen, fast alle griechischen Statuen von
Göttinnen sind berühmten Hetären nachgebildet. Entsprechend
teuer waren Hetären, sie kosteten das Zehn- bis Zwanzigfache des Preises
für einen gewöhnlichen Arbeitssklaven.
Wer nicht die umgerechnet 15 000 Euro für eine gute Hetäre besaß,
konnte sie sich vielleicht mit einem Freund teilen.
Die Kommerzialisierung der Sexualität ermöglichte es immerhin
einigen Frauen, auf ihre Kosten zu kommen. Selbstbewusst schrieb die Hetäre
Philumena im 4. Jh. v. Chr. an ihren Gönner: „Warum hältst Du
Dich damit auf, lange Briefe zu schreiben? Ich will fünfzig Goldstücke,
keine Briefe. Wenn Du mich liebst, bezahle, wenn Du Dein Geld mehr liebst,
belästige mich nicht weiter. Leb wohl!“
Trotz horrender Kosten schien auch dem Antipatros ein bezahltes Hetärenverhältnis
immer noch besser als eine Ehe. Er empfahl die Hetäre Europa: „Nimm
Dir für sechs Obolen Europa, die attische, wo Du niemand zu fürchten
brauchst, die Dir nie widerspricht, die ein untadeliges Bett Dir bietet
und Heizung im Winter. Unnötig, guter Zeus, verwandeltest Du Dich
zum Stier.“
Ein New Yorker
Textilfabrikant kommt eines Tages früher aus dem Büro nach Hause,
weil er Kopfschmerzen hat, und findet seinen Kompagnon mit seiner Frau
im Bett vor. Er betrachtet die beiden erstaunt und sagt dann schließlich:
"Morris, ich muss - aber du?" |
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Die Ehe, noch in
homerischen Zeiten nicht auf einen Rechtsakt, sondern auf den sozialen
Tatbestand des Zusammenlebens gegründet und daher begrifflos
, wurde erst durch die Ehegesetze des Perikles (541/50 v. Chr.) zu staatlichen
Einrichtung, die freilich athenischen Bürgern und Bürgerinnen
vorbehalten blieb.
Doch fand sich bis heute kein Beweis, dass irgendein Athener je eine frei
geborene Frau geliebt und nur aus Liebe geheiratet hätte.
Auch gibt es keine Darstellung sexueller Aktivitäten von Ehepaaren.
Die Ehe war nur eine Institution zur Erzeugung von legitimen Erben, Liebe
spielte in ihr keine Rolle, die Rechte der Frau ähnelten den von Sklaven
, die Forderung nach Monogamie der Ehefrau, nicht jedoch (zumindest bis
Solon) nach der Jungfraulichkeit der Braut war selbstverständlich.
Der Mann hingegen konnte uneingeschränkt herrschen, nur in dem Fall,
dass sein Schwiegervater ohne männliche Erben starb, war er verpflichtet,
dreimal im Monat seiner Frau beizuwohnen.
Freiwillig vergnügte er sich lieber mit Sklavinnen, die zwar als vollwertige
Geschlechtsobjekte galten, nicht jedoch als vollwertige Menschen. Daher
war der Geschlechtsverkehr mit einer Sklavin auch kein Ehebruch Anm.,
sondern ein harmloses Vergnügen, das sogar noch Profit versprach.
Denn es war billiger, Sklaven zu zeugen, als sie zu kaufen. |
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In der Familie sahen
die Griechen eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft zur Erhaltung des Privateigentums,
zur Versorgung der Frauen, zur Bedienung der Männer und zur Erzeugung
von Nachwuchs
, den der Hausherr nach Belieben töten, aussetzen, verkaufen, versklaven
oder anerkennen konnte.
Im Jahre 1 n. Chr. schrieb ein Grieche an seine schwangere Frau: "Wenn
Du ein Kind bekommst, dann lass es leben, sofern es ein Junge ist, wenn
es ein Mädchen ist, setze es aus."
Der Ursprung des Samens bestimmte nach
Meinung der Griechen das Geschlecht. Kam er aus dem rechten Hoden (rechts
= männlich), wurde es ein Junge, kam er aus dem linken Hoden, wurde
es ein Mädchen.
Hippokrates versuchte um 400 v.Chr., die Empfängnis wissenschaftlich
zu erklären: Wenn Mann und Frau beieinanderliegen, lässt die
zunehmend heftiger werdende Bewegung der Körper den besten Teil ihres
Blutes zu Samen werden ,
zu einer Art Schaum, der - beim Mann - über das Gehirn durch das Rückenmark,
die Nieren und Hoden in den Penis gelangt Anm.,
aus dem er mit der unkontrollierbaren Gewalt eines epileptischen Anfalls
ausbricht.
Aus der Vermischung des männlichen Spermas mit dem weiblichen entsteht
ein neuer Mensch.
Für Männer sehr angenehm waren zwei Einschränkungen des
Hippokrates: Zu Beginn eines Verkehrs darf eine Frau nicht zu stark erregt
werden, weil sie sonst vorzeitig ejakuliert. Dann schließt sich der
Schoß, und sie kann nicht schwanger werden.
Wenn andererseits der Mann ejakuliert, kühlt sein Samen in der Vagina
die Erregung der Frau ab und löscht sie aus, jede weitere Aktivität
ist demnach sinnlos.  |
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Noch nachhaltiger
und bis in unser Jahrhundert wirkten Hippokrates` Erkenntnisse über
die Gebärmutter, das seiner Meinung nach wichtigste Geschlechtsorgan
der Frau: "Wenn sie nicht oft genug durch den Samen des Mannes aufgerüttelt
wird, tritt eine übermäßige Verschiebung des Blutes nach
oben ein, die den Frauen die Sinne benimmt und sogar die Atmung erschweren
kann."
Damit hat Hippokrates die noch im 19. Jh. häufigste Frauenkrankheit
erfunden: Die Gebärmutter, griechisch hystera, erzeugt die Hysterie.
Noch heute wird in Deutschland jeder dritten Frau die Gebärmutter
operativ entfernt, obwohl dies wohl nur bei 5 Prozent aller Fälle
sinnvoll oder notwendig wäre.
Im männlichen Herrschaftswahn
tat schließlich Aristoteles, nach dessen Lehre Sklaven, Handwerkern
und Frauen keinerlei Rechte zustehen, den letzten Schritt. Hielt Hippokrates
männliches und weibliches Sperma für annähernd gleichwertig,
so erklärte Aristoteles, dass allein das männliche Sperma den
formgebenden Grund abgebe, der weibliche Teil sei nur die stoffliche Ursache.
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