Aretino, dessen "Sonetti
lussuriosi“ zu den unverfrorensten Erzeugnissen der pornographischen Literatur
zählen, denunzierte Michelangelo wegen dessen "Jüngstes Gericht":
"Es geht so weit, daß selbst in einem Bordell sich die Augen schließen
würden. Ihre Art würde einem unzüchtigen Badehaus wohlanstehen,
nicht einem erhabenen Chor."
Nicht genug damit, Aretino gibt auch noch einen dezenten erpresserischen
Hinweis auf Michelangelos Homosexualität. Bereits 1555 wollte Papst
Paul IV. das Werk vernichten lassen, ein Proteststurm konnte dies verhindern,
nicht aber die alsbald begonnene Übermalung.
Selbstverständlich läßt
Aretino, dieser Speichellecker des Papstes, in seinen Hetärengesprächen
keine Gelegenheit aus, die sexuellen Verfehlungen des Klerus auflagenfördernd
zu geißeln:
ANTONIA: Wenn du doch zur Sache kämst!
Ich habe eine Ungeduld in mir, wie's Kindchen, das darauf wartet, daß
die Amme ihm die Brust ins Mündchen schiebe. Mir läuft
das Wasser im Munde zusammen wie am Osterabend beim Eierschälen, wenn
man das lange Fasten hinter sich hat.
NANNA: Es kommt ja schon! Ich war
also allein geblieben; in den Baccalaur hatte ich mich schon verliebt,
denn es schien mir nicht recht, es anders zu machen, als es im Kloster
Brauch war. Da dachte ich denn dran, was ich in den fünf oder
sechs Stunden seit meinem Eintritt ins Kloster gesehen und gehört
hatte; und in der Hand hielt ich die Glasstange. Ich äugelte
mit ihr wie jemand, der zum ersten Mal die greuliche Eidechse erblickt,
die in der Chiesa del Popolo aufgehängt ist, und ich war über
das Ding verblüffter als über die ungeheuerlichen Gräten
jenes Riesenfisches, der bei Corneto auf den Sand geworfen war. Ich
konnte mir nicht erklären, warum die Schwestern so große Stücke
darauf hielten. Während ich mich nun mit solchen Gedanken beschäftigte,
hörte ich auf einmal ein schallendes Gelächter, das einen Toten
hätte aufwecken können. Das Lachen wurde immer lauter,
und ich beschloß daher nachzusehen, woher es wohl käme.
Ich stand also auf und legte erst ein Ohr an eine Ritze; dann, da man im
Dunkeln mit einem Auge besser sieht als mit zweien, machte ich das linke
zu und guckte mit dem rechten durch ein Loch zwischen zwei Ziegeln, und
da sah ich - Ha ha ha!
ANTONIA: Was denn? Was sahst du denn?
Bitte bitte, sag’ mir’s doch!
NANNA: Ich sah in der Nebenzelle vier Nonnen,
den Ordensgeneral und drei Mönchlein wie Milch und Blut, die zogen
dem ehrwürdigen Vater den Priesterrock aus und bekleideten ihn dafür
mit einem Atlaswamms. Auf die Tonsur setzten sie ihm eine goldgewirkte
Haube und darüber ein Sammtbarett, das über und über mit
Glasperlen besetzt und mit einem weißen Federbusch geschmückt
war. Dann gürteten sie ihm ein Schwert um, und der selige General
lallte trunkene Worte und ging breitbeinig wie Held Bartolomeo Coglioni
in der Kammer auf und ab. Unterdessen hatten die Nonnen ihre Röcke
und die Mönche ihre Kutten ausgezogen, und drei von den Nonnen zogen
die Mönchskutten, die Mönche aber zogen die Nonnenkleider an.
Die Vierte aber legte den Talar des Generals an und setzte sich mit feierlicher
Würde hin und spielte den Kirchenfürsten, der den Klöstern
ihre Gesetze gibt.
ANTONIA: Eine schöne Orgie!
NANNA: Wart nur - jetzt fängt es ja
erst an schön zu werden.
ANTONIA: Wieso denn?
NANNA: Nun, der ehrwürdige Vater rief
die drei Mönchlein heran und lehnte sich auf die Schulter des Einen,
der ein schlank aufgeschossener zartgebauter Jüngling war. Von
den beiden Anderen ließ er sich das Hähnchen aus dem Nest holen
- das ließ aber gar traurig das Köpfchen hängen.
Doch der gewandteste und hübscheste von den beiden Brüderchen
legte es auf seine flache Hand und streichelte es mit der anderen Hand,
wie man einer Katze den Schwanz streicht, bis sie vom Schnurren in’s Fauchen
geräth und sich schließlich nicht mehr halten läßt.
Da richtete denn auch das Hähnchen sich stolz empor. Der wackere
General aber kriegte die hübscheste und jüngste von den Nonnen
zu packen, schlug ihr die Röcke über den Kopf zurück und
ließ sie sich mit der Stirn auf die Bettstelle aufstützen.
Dann hielt er mit seinen Händen sanft ihre Hinterbacken auseinander
- es sah aus, wie wenn er die weißen Blätter seines Meßbuches
aufschlüge - und betrachtete ganz hingerissen ihren Popo. Der
war aber auch weder ein spitzes Knochengerüst noch ein schwabbeliger
Fettklumpen, sondern gerade die richtige Mitte: ein bißchen zitterig
und schön rund und schimmernd wie beseeltes Elfenbein; die Grübchen,
die man mit solchem Vergnügen an Kinn und Wangen schöner Frauen
sieht, sie zierten auch diese beiden Backen, die so zart waren wie eine
Mühlenmaus, die in lauter Mehl geboren und aufgewachsen ist.
Und so glatt waren alle Glieder des Nönnchens, daß die Hand,
die man ihr auf die Lende legte, sofort bis an die Waden herunterfuhr,
wie der Fuß auf dem Eise ausrutscht, und Haare sah man auf ihren
Beinen so wenig wie auf einem Ei.
ANTONIA: Da verbrachte wohl der Vater General
den ganzen Tag mit seiner andächtigen Bewunderung, heh?
NANNA: I, Gott bewahre! Er tunkte
seinen Pinsel in den Farbtopf - nachdem er ihn vorher mit Spucke gesalbt
hatte - und ließ sie sich drehen und winden, wie die Weiber in den
Geburtswehen sich winden oder wenn sie das Mutterweh haben. Und damit
der Nagel recht fest stäke, gab er seinem Spinatfreund, der hinter
ihm stand, einen Wink; der löste ihm die Hosen, daß sie ihm
auf die Hacken fielen, und setzte Seiner Ehrwürden das Klystier an.
Der General aber verschlang mit seinen Augen die beiden anderen Knaben,
die sich die beiden Nonnen recht bequem über’s Bett gelegt hatten
und ihnen die Sauce im Mörser verrieben. Das war ein großer
Kummer für die vierte Schwester, die ein bißchen triefäugig
und etwas schwärzlich von Haut war, weshalb keiner etwas von ihr hatte
wissen wollen. Sie wußte sich aber zu helfen. Sie füllte
den gläsernen Tröster mit Wasser - man hatte dem hohen Herrn
etwas zum Händewaschen warm gemacht - setzte sich auf ein Kissen,
das sie auf die Erde legte, und stemmte die Fußsohlen gegen die Wand.
Dann setzte sie die Riesenschalmei an und stieß sie sich in den Leib
- es war wie wenn ein Degen in die Scheide fährt! Ich war von
all der Wonne des Zuschauens ganz aufgelöst und streichelte mein Mäuschen
mit der Hand, wie im Januar die Katzen auf den Dächern den Steiß
aneinander reiben.
ANTONIA: Hahaha! Und wie endete der
Spaß?
NANNA: Nachdem er nun 'ne halbe Stunde
lang raus- und reingerutscht war, sagte der Prälat: »Wir wollen's
jetzt alle zusammen machen. Komm her, mein Junge, und küsse
mich, und auch du, meine Taube!« Die eine Hand hielt er nun an die
Dose der Engelsnonne, mit der anderen liebkoste er die Hinterbacken des
hübschen Jungen und dabei küßte er bald ihn, bald sie,
und machte dazu ein so schmerzverzogenes Gesicht, wie auf Belvedere die
Marmorfigur von dem Mann, der inmitten seiner beiden Söhne von den
Schlangen getötet wird. Schließlich fingen sie alle zusammen
an zu schreien: die Nonnen und die Mönchlein auf dem Bett und der
General nebst Unterlage und Rückendeckung und auch die Überzählige
mit der venezianischen Glasrübe. Taktmäßig wie Kurrendesänger
oder wie Schmiede, die auf das Eisen hämmern, schrieen sie los: »Ach!
Ach!« und »Küsse mich!« und »Dreh dich besser
zu mir her!« »Die süße Zunge!« »Gib
mir sie doch!« »Da hast du sie!« »Stoß feste!«
»Wart, es kommt schon!« »Oh, da ist's!« »Drücke
mich!« »Hilf mir doch!« - und das Alles bald halblaut,
bald in den höchsten Tönen und in allen Klängen der Tonleiter.
Und das war ein Augenverdrehen, ein Stöhnen, ein Schieben und ein
Strampeln, daß Bänke und Schränke und Bett und Tisch und
Stühle hin und her schwankten wie Häuser bei einem Erdbeben.
ANTONIA: Fein!
NANNA: Und auf einmal da gab's gleichzeitig
acht Seufzer tief aus Leber, Lunge, Herz und Seele des Ehrwürdigsten
Undsoweiter, der Nonnen und der Mönche. Und diese Seufzer machten
einen so starken Wind, daß sie acht Fackeln würden ausgeblasen
haben. Und mit diesem Seufzer sanken sie alle erschöpft zu Boden
wie Betrunkene, die der Wein niederwirft. Ich war von all dem Zugucken
ganz kreuzlahm; vorsichtig zog ich mich von der Spalte zurück, setzte
mich aufs Bett und sah mein Glasding an.
ANTONIA: Halt mal 'n bißchen!
Das mit den acht Seufzern ist doch kaum glaublich!
NANNA: Du klaubst zu sehr am Wort herum;
höre doch nur weiter!
ANTONIA: Na, dann bitte.
NANNA: Als ich nun das Glasding ansah,
fühlte ich mich ganz aufgeregt - und das war wohl auch kein Wunder,
denn beim Anblick solcher Sachen, wie ich sie gesehen, hätte sich
wohl selbst bei den Eremiten von Camaldoli was geregt. Und von dem
Betrachten des Glasdings fiel ich IN TENTATIONE, ET LIBERA NOS A
MALO. Ich konnte dem Stachel des Fleisches, der mich aufs Blut peinigte,
nicht länger widerstehen. Leider hatte ich kein warmes Wasser
wie die Nonne, der ich die richtige Anwendung des krystallenen Stengels
abgesehen hatte; aber Not macht erfinderisch: ich pinkelte ganz einfach
in das Ding hinein.
ANTONIA: Wie machtest du denn das?
NANNA: Es war ein Löchelchen drin,
um das warme Wasser hineingießen zu können. Na, um die
Sache nicht allzu lang zu machen: fix hob ich mir die Röcke hoch,
stemmte das dicke Ende der Stange gegen den Bettrand und setzte mir die
Spitze an; dann ließ ich sachte, sachte den Stachel eindringen.
Es juckte mächtig, denn das Ding hatte einen dicken Kopf, ich fühlte
daher zugleich Schmerz und süße Wonne. Aber die Wonne
überwog und nach und nach belebte sich der gläserne Stachel.
Und ganz von Schweiß überströmt faßte ich mir einen
Löwenmut und stieß ihn mir so tief hinein, daß er aufs
Haar gänzlich in meinen Tiefen verschwunden wäre. Und wie
er so hineindrang, da glaubte ich Todes zu sterben, aber dieser Tod war
süßer als das ewige Leben.
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